Die Währung der Zukunft – diesen Namen kann in Zeiten des Klimawandels keine Währung beanspruchen, die so energieintensiv wie Bitcoin ist. Die Verschlüsselungs-Technologie Blockchain zeigt grosses Potential für verschiedene Gesellschaftsbereiche, insbesondere den Energiesektor, wie Powernewz in einem früheren Interview berichtete. Anders sieht es aus mit den Kryptowährungen, die auf derselben Technologie basieren. Der Energieverbrauch von Bitcoin alleine soll gemäss einer Studie mit Irland oder Österreich vergleichbar sein.

Die den Kryptowährungen zugrundeliegende Blockchain-Technologie ist grundsätzlich nicht energieintensiv. Eine Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datenblöcken. Jeder Block enthält den Hash des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten, welche von den Teilnehmenden der Blockchain verifiziert werden.

Wohin fliesst die Energie?

Bitcoin ist mit 104 Milliarden CHF Marktkapitalisierung heute (August 2018) die grösste und energieintensivste Währung. Bei ihr verifizieren sogenannte Validation Nodes getätigte Transaktionen. Diese laden sämtliche Blöcke und Transaktionen herunter und überprüfen sie auf das korrekte Datenformat, die Signatur, dass eine Transaktion nicht doppelt ausgegeben wurde, und dass ein Block (im Jahr 2018) genau 12.5 Bitcoins gross ist.

Neue Bitcoins werden mit sogenannten Mining Nodes erschaffen. Nebst dem Verifizieren der Blöcke und Transaktionen generieren sie einen neuen Block, der einem zufällig generierten 256-bit Hashcode (einer sehr grossen Zahl) entsprechen muss.

Dieses Überprüfen und Erschaffen von neuen Bitcoins sind die beiden essenziellen Funktionen des Netzwerks, und sie sind nicht der Grund für den Energieverbrauch. Trotz seiner momentanen Grösse könnte das Netzwerk theoretisch auf nur 10 Computern laufen, auch wenn es so nicht sonderlich sicher wäre.

Bitcoin ist nicht spekulations-sicher programmiert

Der Grund für den hohen Energieverbrauch ist die Spekulation.Aufgrund ihres hohen Wertes werden Bitcoins heute von unzähligen Serverfarmen abgebaut.

Bitcoin ist so programmiert, dass durchschnittlich maximal alle 10 Minuten ein neuer Block erschaffen werden kann. Wenn mehr Block-Miner mitmachen, wird die Schwierigkeit des Ziel-Hashcodes automatisch um ein paar Potenzen erschwert, damit diese 10 Minuten statistisch eingehalten werden. Dies benötigt aber mehr GPU-Rechnungen und damit auch mehr Energie.

Das Problem ist also, dass Bitcoin im Gegensatz zu traditionellen Zentralbank-Währungen nicht spekulations-sicher programmiert ist. Während der Wirtschaftskrise haben viele Investoren in den Schweizer Franken investiert, und die SNB hat einfach mehr Geld gedruckt, um den Wert tief zu halten. Viele Investoren haben im gleichen Zeitraum auch in Bitcoin investiert, und dessen Wert ist um 10000% explodiert.

Bitcoin gehört allen – aber vor allem den Spekulanten

Um das Energieproblem zu lösen, könnte das Bitcoin-Netzwerk einfach wie die Zentralbank mehr Bitcoins produzieren, um deren Werk zu senken und für Spekulanten uninteressant zu machen. Aber: im Gegensatz zu der von der Zentralbank gesteuerten Geldschöpfung wird das Bitcoin-Netzwerk nicht von einer unabhängigen Instanz, sondern von den Spekulanten selbst kontrolliert.

Seit diesem viralen Forumpost werden Bitcoin-Investoren inoffiziell als "Hodlers" bezeichnet.

Seit diesem viralen Forumpost werden Bitcoin-Investoren inoffiziell als „Hodlers“ bezeichnet.

Das Bitcoin zugrunde liegende System ist vollständig transparent und demokratisch – etwas das man vom traditionellen Banken – und Währungssystem nicht behaupten kann. Alle können den Code von Bitcoin einsehen und sogar nach Gutdünken verändern (= „forken“). Die Mehrheit aller verwendeten Programme bestimmt, wie Bitcoin funktioniert, und genau das ist seine Schwachstelle: diese Mehrheit sind nämlich die Hodlers und die Miner.

Je energieintensiver das Minen von Bitcoin wird, desto aufwändiger ist die Beschaffung eines einzelnen Bitcoins – und desto höher sein Wert. Und der Engpass im Bitcoin ist wortwörtlich vorprogrammiert: Anfangs war ein einzelner Block noch 50 Bitcoins Wert. Bitcoin ist so programmiert, dass sich der Wert jedes Blocks alle 210’000 Blöcke halbiert, und das theoretische Maximum ist bei ca. 21 Millionen Bitcoins.

Davon profitieren die professionellen Miner, was zu einer Monopolisierung führt. Ein grosser Teil des Netzwerks wird heute bereits von zwei chinesischen Mining-Pool Firmen (Antpool und DiscusFish) kontrolliert. Dabei wurde Bitcoin aus einem ganz anderen Geist heraus erschaffen.

Bitcoin wäre eigentlich anarchistisch

Der Gedanke der Dezentralität ist tief im Bitcoin-System verankert, vielleicht sogar mit dem bewussten Ziel, die traditionelle Bankenwirtschaft auszulöschen. Als 2009 der erste Bitcoin-Block von einer unbekannten Person mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto erschaffen wurde, enthielt dieser einen verschlüsselten Kommentar: „The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks“.

Anspielung an die Bankenkrise im Roh-Code des Bitcoin Genesis Blocks.

Anspielung an die Bankenkrise im Roh-Code des Bitcoin Genesis Blocks.

Dies ist ohne Zweifel eine Anspielung an die damalige Finanzkrise, ausgelöst durch das teilweise unüberlegte und gierige Verhalten der Banken, die anschliessend mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Mit dem Bitcoin-System wäre damit Schluss, denn es basiert auf Verschlüsselung, nicht auf Vertrauen. Kryptowährungen, welche das Minen als Proof-of-Work voraussetzen, taugen aber nicht in Zeiten des Klimawandels.

Kryptofarmen mit erneuerbarer Energie sind reine Symptombekämpfung

Bei regulärem Geld war der Gegenwert früher Gold. Bei Bitcoin ist es GPU-Power und damit auch Elektrizität. Die positive Seite davon soll sein, dass es die Nachfrage nach effizienter und erneuerbarer Energie erhöht. Tatsächlich sind Miners schon alleine aus Kostengründen darauf bedacht, ihre Kryptowährungs-Farmen möglichst energieeffizient zu halten.

Bei den Niagara-Fällen wird 15% der billigen Wasserkraft von Krypto-Minern beansprucht, die von den billigen Strompreisen angezogen wurden. Gemeinden und Staaten schlagen inzwischen zurück und schieben den Stromfressern den Riegel vor.

Den Energieverbrauch des Minens tief zu halten ist aber reine Symptombekämpfung eines Problems, das sich im Prinzip ganz ausschalten liesse. Denn Bitcoin ist eine digitale Währung und man kann sie im Grunde so programmieren, wie man will. Warum sollte sie also so programmiert sein, dass sie Unmengen an Energie konsumiert?