Die Energiewende ist eine Frage der Sensibilisierung.  Seit 2015 existiert die Auszeichnung „Energieschule“. Sie ist ein Beispiel dafür wie Energiethemen in einem langfristigen Prozess ihren Eingang in den Schulalltag finden. Angestossen wurde dieser nicht zuletzt von den Schülerinnen und Schülern selbst.

Im letzten Sommer wurde auf dem Dach des Neubaus der Mittelpunktschule (MPS) Steinen im Kanton Schwyz eine Photovoltaikanlage installiert. Tatkräftig unterstützt wurden die Monteure dabei von zehn Schülerinnen und Schülern aus allen Oberstufenklassen der Schule. Das Interesse am Thema war derart gross, dass pro Klasse, jeweils nur eine Vertretung zur Unterstützung gestellt werden konnte. Energiethemen stossen bei den Schülern der MPS Steinen auf Interesse. Sensibilisiert ist man hier auch dafür. Von ungefähr kommt das nicht. Zusammen mit der MPS Rothenthurm und der Kantonsschule Kollegium Schwyz (KKS) gehörte die MPS Steinen Ende 2015 zu den ersten Trägern der dazumal neu geschaffenen Auszeichnung „Energieschule“. Jährlich wird die vom Trägerverein Energie Stadt und dem Bundesamt für Energie (BFE) verliehen. Wie der Urkunde zu entnehmen ist, erhielten die drei Schulen die Auszeichnung für „die nachweisbare und vorbildliche Verankerung des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen in der Schulkultur, für die Umsetzung von Energie-Aktionen, sowie für die Integration der Themen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltiger Ressourcenumgang im Schulunterreicht“. Durch diesen umfassenden und langfristigen Umgang mit Energiethemen im Schulunterricht kommt den mittlerweile fünf mit der Auszeichnung bedachten Schulen eine Vorreiterrolle für andere zu.

Auch auf dieser Ebene findet die Energiewende statt. Vorgelebt und damit vorangetrieben wird sie aber hier bereits heute von derjenigen Generation, die sie künftig am meisten betreffen wird. Für ihr Gelingen könnte gerade das von grosser Bedeutung sein. Hinter dem Label Energiestadt steht Energieschweiz. Dessen Programmleiter für Gemeinden  ist Kurt Egger. Seitens Energie Stadt ist Egger zuständig für die Auszeichnung „Energieschule“. „Für die Energiewende sind die Schulen sehr wichtig. Zu Energiethemen wird heute hier zwar schon viel mehr als früher gemacht, aber der Bedarf bleibt trotzdem hoch.“

Engagement in der Energiewende seitens der Schulen

Kinder Experimentieren mit EnergieEs fällt auf, dass alle bis anhin ausgezeichneten Energieschulen aus dem Kanton Schwyz stammen. Im Bezirk Schwyz nahm die Idee dazu denn auch ihren Ausgang. 2010 lancierte das Elektrizitätswerk des Bezirks Schwyz (EBS) das „EBS-Forum Jugend und Energie“, das jährlich stattfindet und in dem sich Schülerinnern und Schüler an verschiedensten Workshops mit Energiethemen auseinandersetzen können. Seitens der Schülerschaft entstand dabei der Gedanke daraus ein längerfristiges Programm für andere Schulen zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit von Bezirk und Kanton Schwyz, dem EBS und Energie Stadt sollte dies möglich gemacht werden. Ab 2013 erarbeitete eine Begleitgruppe mit Energie- und Bildungsfachleuten, gemeinsam mit Schülern und Lehrkräften der beiden MPS Rothenthurm und Steinen und der KKS Schwyz die Auszeichnung und die für deren Erlangung notwendigen Kriterien. Durch die gemeinsame Arbeit sollte eine praxisnahe und kritische Ausgestaltung des Pilotprojekts sichergestellt und das Thema Energie im regulären und täglichen Unterricht fest verankert werden.

Die Auseinandersetzung mit der nachhaltigen Nutzung der Ressource Energie verfolgte in der Planungsphase im wesentlichen drei Ziele. Einerseits sollte der Energieverbrauch im jeweiligen Schulhaus kontinuierlich gesenkt werden und andererseits der Anteil an erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch der Schule gesteigert werden. Zum dritten ging es insbesondere um das individuelle Verhalten von Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Schulpersonal selbst. Hier sollte der bewusste Umgang mit Energie verstärkt implementiert werden. Eine ganze Reihe von Aktionen, Projekten und Handlungen war für das Erreichen dieser Ziele während der kommenden beiden Jahre notwendig. Das Pilotprojekt war schliesslich von Erfolg gekrönt. Am 9. November 2015 konnten in Bern die ersten Auszeichnungen „Energieschule“, im Beisein von Bundesrätin Doris Leuthard, überreicht werden.

Gemeinsam zur Energieschule

Bis heute ist die Auszeichnung „Energieschule“ eng mit dem Label Energiestadt verbunden.  „Wir wurden seinerzeit von den Schulen angefragt, ob seitens Energiestadt das Interesse vorhanden ist an dem Pilotprojekt teilzunehmen und wir fanden die Idee von Anfang an sehr spannend und arbeiteten gerne daran mit.“  Bis anhin kann nur eine Schule, die in einer Energiestadt steht den Prozess zur Erlangung der Auszeichnung Energieschule durchlaufen. Mehr als vier Millionen Personen leben heute in der Schweiz in Energiestädten. Das Label gilt als Erfolgsmodell. Analog zur Erlangung der Auszeichnung „Energieschule“ durchlaufen auch Energiestädte „einen umfassenden Prozess, der sie zu einer nachhaltigen Energie-, Verkehrs- und Umweltpolitik führt.“ Zentral ist hier, dass „Behörden, Unternehmer und Bevölkerung dabei am gleichen Strang ziehen.“ Wie auch bei den Energiestädten lautet die Devise für die Auszeichnung „Energieschule“: Gemeinsam ans Ziel. Seitens Energiestadt versteht man sich in diesem Prozess als Vermittlerin. „Wir stehen den Schulen unterstützend zur Seite und machen auf Angebote oder Themen aufmerksam, die in den Schulstoff einfliessen könnten.“

Wenn sich eine Schule dazu entschliesst Energieschule zu werden, steht am Anfang des Prozesses ein Grundsatzentscheid der jeweiligen Schulgemeinde. „Oft sind die Schulgemeinden in den Energiestädten bereits sensibilisiert für Energiethemen und wir erleben hier dann auch ein starkes Interesse an der Auszeichnung seitens der Schulbehörden.“ Nach diesem Entscheid erfolgt die Gründung eines Energiegremiums, dem Schulleitung und Verwaltung, Lehrpersonen, Hauswarte und Schülerinnen und Schüler angehören. „Dieses Gremium trägt die Verantwortung für den gesamten Prozess und analysiert anfänglich die Ausgangslage. So schaut man sich beispielsweise an wo energetisches Einsparpotential in der Schule vorhanden ist, oder auch wie es mit dem Benutzerverhalten der beteiligten Personen aussieht. In der Folge wird ein Programm mit Energieaktionen und Massnahmen erstellt, welches im kommenden Schuljahr dann kontinuierlich umgesetzt wird.“

Das Beispiel MPS Muotathal

Auszeichnung der EnergieschulenDas Pilotprojekt der KKS Schwyz und der MPS Rothenthurm und Steinen machte Schule im sprichwörtlichen Sinn. Auch im Muotathal wollte man sich auf Schulstufe langfristig mit den Themen Energieeffizienz und erneuerbaren Energien aktiver auseinandersetzen. Der nunmehr auf ein Schuljahr angesetzte Prozess zur Erlangung der Auszeichnung „Energieschule“ begann bei der MPS Muotathal am 22. August 2016. Beteiligt daran waren je drei 7., 8. und 9, Klassen mit zusammen 157 Schülern. Etwas mehr als ein Jahr später, am 25. September 2017, dem nationalen Energietag, konnte der MPS Muotathal die Auszeichnung „Energieschule“ in Freiburg verliehen werden. Vieles war während des vergangenen Schuljahrs dafür geleistet worden. So wurden beispielsweise im Schulhaus neue, energieeffiziente Leuchtmittel installiert. Zahlreiche, über das Jahr verteilte Anlässe ermöglichten es den Schülern sich kritisch mit dem Thema Energie und dessen Verbrauch im Alltag auseinanderzusetzen. So fanden Projekttage zu erneuerbaren Energien statt oder man lernte, wie es möglich ist mit einem Minimum an Energie einige Tage im Wald überleben zu können. Als Ergänzung dazu griff die Lehrerschaft das Thema Energie im Rahmen der Lebenskunde regelmässig auf. So entstanden Plakate, wie Energie im Alltag konkret eingespart werden könnte, aber auch spezifische Experimente zu Energiethemen wurden dazu durchgeführt. Auch die regelmässige Lektüre von Zeitungsartikeln durch die Schüler bildete eine wichtige Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Thema Energie. „Die kontinuierliche und überprüfbare Auseinandersetzung mit dem Thema Energie ist für die Erlangung der Auszeichnung „Energieschule“ zentral. Erst dadurch kann ein Engagement für Energiethemen in Gang gesetzt werden, das auch längerfristig Bestand hat“, so Egger in diesem Zusammenhang.

Energiewende und Verhaltensänderung

Oft wird die Energiewende mit dem Aufstellen von Solarpanelen, Windparks oder neuen Wasserkraftwerken gleichgesetzt. Hier wird sie für jedermann sichtbar und auch greifbar. Parallel zur Entwicklung neuer Technologien und zur Umsetzung von Massnahmen ist es aber genauso wichtig, dass ein mentaler Wandel in der Gesellschaft Richtung sinnvollem und nachhaltigem Umgang mit Energie stattfindet. Das macht nicht nur ökonomisch und ökologisch Sinn, sondern ist auch eine der zentralen Bedingungen für das dereinstige Gelingen der Energiewende. Dieser nicht sichtbare Prozess läuft. Er bildet den soziokulturellen Hintergrund der Energiewende. Bereits heute sind die Erwachsenen, manchmal ganz unbewusst, für Energiethemen viel sensibilisierter als noch vor wenigen Jahren. Ideen, die heute angestossen werden, beeinflussen das Leben der Generationen von morgen. So verhält es sich auch mit der Energiewende. In einer sich verändernden Welt bedeutet das für die Politik die Übernahme von Verantwortung und ein langfristiges Denken. Auch von der nächsten Generation wird das immer mehr erkannt. Dass die Auszeichnung „Energieschule“ und damit ein gewünscht bewusster Umgang mit Energie letztlich ihren Ausgang bei Schülerinnen und Schülern nahm, zeigt, dass man auch hier bereit ist sich dieser Verantwortung zu stellen und das eigene Verhalten bewusst zu verändern. Das Interesse an Energiethemen und die Bereitschaft sich aktiv mit diesen auseinander zu setzen, stösst schon heute, nicht nur an den „Energieschulen“, auf grosses Interesse. Gerade aber für die stärkere Sensibilisierung mit der Thematik könnten diese für die Zukunft von grossem Wert sein und für das Weitertragen der Energiewende exothermen Charakter besitzen.