Im Mai diesen Jahres lancierte die UNITED wear GmbH aus Zürich Altstetten unter dem Label sakku den Freo, einen Solarrucksack, mit dem mobile Endgeräte aufgeladen werden können. Das Produkt ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Energiewende vermehrt in unserem Alltag anzutreffen sein wird und wie auch wir zum sprichwörtlichen Träger davon werden könnten.

Die Weichen zur Energiewende in der Schweiz sind gelegt und vieles ist bis anhin auch erreicht worden. Nur mit dem Ausbau von Kraftwerken, der Erneuerung unseres Stromnetzes und der Weiterentwicklung von Speichertechnologien allein wird sie aber nicht zu realisieren sein. Vielmehr ist es gleichsam notwendig, dass sich, paralell zu diesem Prozess, auch ein gedanklicher Wandel in der Gesellschaft Richtung grösserer Akzeptanz für alternative Energien einstellt. Auch dieser Prozess wird zunehmend Realität und mit dem sogenannten Prosumer ist in der jüngeren Vergangenheit denn auch ein neuer Player am Holozän der Energiewelt erschienen. Als produzierender Konsument nimmt er heute aktiv Anteil am Wandel des Energiesektors und wird damit gleichzeitig zu einem der Träger und Sendboten einer dezentral strukturierten Energiewelt von morgen. Dass sich gerade hier auch neue Geschäftsmodelle mit unternehmerischem Potential ergeben und die Energiewende dadurch auch auf der Strasse, im Tram, oder in der Migros künftig vermehrt anzutreffen sein wird, lässt sich am Beispiel der sakku SWISS SOLAR BAGs aus Zürich Altstetten veranschaulichen.

Prosumer als Mitgestalter der Energiewende

In seinem Buch «The Third Wave» definierte der amerikanische Futurologe Alvin Toffler 1980 den Begriff des Prosumers als eine Komposition von zwei bestehenden Wörtern. Nach Toffler ist ein Prosumer sowohl Produzent (producer) als auch Konsument (consumer) eines bestimmten Gutes, das er für den persönlichen Gebrauch verwendet. Wenn also jemand in seinem Garten Gemüse zieht und dieses dann später mit grossem Genuss isst, ist er, im Sinne von Toffler, ein klassischer Prosumer. In einer Welt, in der die meisten von uns nichts mehr mit der direkten Nahrungsmittelproduktion zu tun haben eine schöne Sache. Jeder Hobbygärtner wird das bestätigen können. In der jüngeren Vergangenheit wurde der Begriff des Prosumers im Zusammenhang mit der Energiewirtschaft aufgegriffen und erfuhr darin eine inhaltliche Erweiterung. Hier kommt ihm eine spezifische Dimension zu. Existierten früher nur Stromproduzenten und Stromverbraucher ist mit dem Aufkommen der alternativen Energien der Verbraucher plötzlich gleichsam zum Stromproduzenten im Kleinen aufgestiegen. Die zahlreichen Solarpanelen auf unseren Häusern oder die ins System eingespeiste Wärme aus thermischen Anlagen in unseren Kellern sind aussagekräftige Zeugen davon. Das lohnt sich einerseits und sensibilisiert andererseits vor allem auch für den Umgang mit erneuerbaren Energien. Experten schätzen die Rolle dieser neuen Prosumer im Zusammenhang mit der laufenden Energiewende als bedeutend ein. So bezeichnete das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) den Prosumer unlängst als «immer wichtiger für die Energiewende.» Gemäss dem BMWi kann «jeder, auch ohne Solaranlage auf dem Dach zum Prosumer werden und durch einen flexiblen Umgang mit Energie einen Beitrag zum Erfolg der Energiewende leisten.»

Mit dem sakku die Photovoltaik in den Alltag tragen

Flexible Dünnschichtphotozelle des sakkus

Auch durch das Tragen eines sakkus wird man, bewusst oder unbewusst, zum Prosumer im klassischen Sinn und produziert Energie für den spezifischen Eigenbedarf dort, wo sie gerade gebraucht wird. In einer zunehmend mobiler werdenden Welt kann das überall sein und vor allem auch vermehrt zu einem echten Bedürfnis werden. Auf besondere Art verbindet der sakku praktischen Nutzen und Livestyle mit der Idee der Nutzung einer erneuerbaren Energiequelle. In diesem speziellen Fall, die der Sonnenenergie. Der sakku SWISS SOLAR BAG ist eine Solartasche mit einer unabhängigen Stromversorgung für mobile Endgeräte wie Smartphones, Tablets oder Kameras. Silvio Trionfini, der Geschäftsführer der UNITED wear GmbH aus Zürich Altstetten und Produzent der sakkus charakterisiert seine Produkte folgendermassen: «Die sakkus sind hochwertige Solartaschen und Solarrucksäcke aus Schweizer Produktion, die den Geist der Zeit treffen. Aktueller denn je sind sie, weil man heute Smartphones und andere mobile Endgeräte viel intensiver nutzt als früher. Sie können als backup gesehen werden, die man immer dabei hat und mit denen man Geräte mittels Sonnenenergie konstant aufladen kann.» Diese Dualität widerspiegelt sich bereits im Namen des Produkts und wird gleichsam zu dessen Programm. Ähnlich wie beim Prosumer ist auch der sakku ein Kunstwort und setzt sich aus den beiden Begriffen Sack und Akku zusammen. Beides gehört hier, wie selbstverständlich, zusammen. Auch wenn der Energieeinspareffekt, den man mit dem sakku erzielt, gemessen am gesamten Verbrauch in der Schweiz, verschwindend klein ist, kann sein momentaner Nutzen für seinen Träger maximal sein. Dabei wird der sakku gleichzeitig zum Ausdruck einer Idee, wie sich eine bestimmte, erneuerbare Energie flexibel ins tägliche Leben integrieren lässt. Letztlich wird der sakku damit zu einem der vielen kleinen Botschafter und Träger der Energiewende mit hoher symbolischer Bedeutung. In diesem Zusammenhang meint Trionfini: «Den sakku könnte man als trendiges Kommunikationsmittel für die Photovoltaik sehen. Gerade an Messen und Ausstellungen erleben wir immer wieder, wie erstaunt die Leute sind, dass man mit so einer kleinen Photozelle ein Smartphone innert kurzer Zeit aufladen kann. Vielen Leuten ist immer noch gar nicht bewusst, was die Photovoltaik heute bereits kann.»

Woher er kommt und was er kann

Das Sortiment der Marke sakku umfasst momentan zwei Produkte, die modular aufgebaut sind. Eine Tasche und einen Rucksack. Der Freo wurde im November letzten Jahres lanciert und der Cargo kam diesen Mai auf den Markt. Beide Produkte bestehen aus drei Hauptkomponenten. Der Tasche, einem Solar-Panel und einem Akku-Pack, der das entsprechende Endgerät via Micro-USB-Kabel auflädt. 2015 wurde das Label sakku von der UNITED wear GmbH übernommen und das bisherige Produkt von den Zürchern Designern Susann Buehlmann und Patrick Stieger komplett neu entworfen. Seit dieser Zeit ist auch Trionfini dabei. «Der ganze Entstehungsprozess war eine Herausforderung. Uns war es ein Anliegen, dass der sakku in der Schweiz produziert wird, die einzelnen Komponenten dafür möglichst nachhaltig gefertigt werden und unsere Taschen gleichzeitig auch aus hochwertigen und langlebigen Materialien bestehen.» So stammen 90% der Einzelteile des sakkus aus der Schweiz, Österreich und Belgien. Genäht werden die Taschen im solothurnischen Trimbach. Gerade auch die Beschaffung des Solars-Panels für den sakku erwies sich als komplex. «Der Bereich der Dünnschichtphotovoltaikzellen passte für uns am besten zu einem Textilprodukt.» Hier ein passendes Grundprodukt zu finden, dass auch den Anforderungen des sakkus entsprach, war nicht einfach. «Der Schwerpunkt der Photovoltaikentwicklung liegt heute im Bereich monokristalliner, also harter Zellen. Aber auch bei Dünnschichtzellen tut sich viel und die Entwicklung geht laufend weiter.» So entschied man sich für den sakku letztlich für eine flexible, mehrschichtige Tandemzelle (engl. multi-junction solar cell), bei der verschiedene Materialien übereinander geschichtet sind, die die unterschiedlichen Spektren des Lichts optimal aufnehmen können und damit einen möglichst hohen Wirkungsgrad punkto Speicherung erzielen. Abhängig von der UV-Strahlung und der Ausrichtung des Panels zur Sonne kann so beispielsweise ein Smartphone mit dem sakku, bei durchschnittlicher Ladekapazität und optimalen Bedingungen, in rund zwei Stunden aufgeladen werden. Aber auch bei weniger Sonnenstrahlung lädt sich der Akku-Pack mit einer Kapazität von 5000 mAh konstant auf und kann später als backup verwendet werden. «Momentan vertreiben wir unsere Taschen hauptsächlich über acht Händler in der Deutschschweiz und über unseren online-Shop und erleben hier eine konstante Nachfrage, die aber sicher höher sein könnte. Als neues und junges Label ist es heute schwierig, sich auf dem Markt zu positionieren und zu etablieren. Aber wir bleiben dran.»

Lehrprojekt für Spitzensportler

Das Team hinter sakku: Silvio Trionfini, Pius Suter, Alessandro Cuoco und Léon Koller (v.l.n.r.)

Das Team hinter sakku: Silvio Trionfini, Pius Suter, Alessandro Cuoco und Léon Koller (v.l.n.r.)

Wenn Trionfini hier von «wir» spricht, meint er Pius Suter, Désirée Ligué, Alessandro Cuoco und Léon Koller. Nebst Trionfini sind sie die vier Personen, die hinter dem sakku stehen. Allesamt sind junge Spitzensportler, die in der UNITED school of sports eine kaufmännische Ausbildung absolvieren. Gerade letztere war denn auch die Initiantin der UNITED wear GmbH, die hinter der Neulancierung des sakkus steht. Trionfini ist nicht nur deren Geschäftsführer, sondern gleichzeitig auch Berufsbildner und damit für die kaufmännische Ausbildung seiner Lehrlinge zuständig. «Der sakku ist ein Gemeinschafsprojekt unserer Lernenden. Als Produkt eignet er sich sehr gut um alle Facetten der unternehmerischen Welt kennenzulernen und wir schauen darauf, dass die Lehrlinge die verschiedenen Bereiche davon durchlaufen können.» So waren die Lehrlinge von Anfang an bereits konzeptuell und auch strategisch am sakku beteiligt und kümmern sich heute aber auch um Marketingaufgaben, oder auch um den Versand der Taschen. «Für sie ist das sicher ein spezielles Arbeiten und manchmal muss man ihnen auch sagen, dass es in einem anderen Unternehmen doch noch einen Tick anders laufen könnte. Aber die Zusammenarbeit bei diesen anspruchsvollen Aufgaben ist immer gut, produktiv und macht Spass.» Der sakku. Ein spannendes Produkt mit Symbolwirkung. Wer mehr dazu erfahren möchte, tut dies am besten hier: www.sakku.ch