Seit Dezember 2016 bietet die Battere AG aus Zürich an 1000 Verkaufsstellen in der Schweiz Power-Banks für Smartphones zum Ausleihen an. Das Konzept trifft damit auf ein echtes Bedürfnis und hat schon manch einen Smartphone-User aus einer scheinbar unmöglichen Lage gerettet.

Mit Battere das Handy unterwegs aufladen

Batterie-Sharing: Beziehbar an jedem Kiosk der Valoragruppe.

Für viele von uns ist das Mobiltelefon heute zum ständigen Begleiter im Alltag geworden. Konnte man damit einst nur telefonieren und sms schreiben, so kommen die, zwischenzeitlich nicht mehr in jede Hosentasche passenden Wunder der Technik heute ausgesprochen «smart» daher. Nebst ihren ursprünglichen Funktionen bieten sie ihren Usern heute beinahe unendlich viele zusätzliche Optionen. Und es werden immer mehr. Musik hören, in jeder erdenklichen Situation im Internet surfen oder das jüngst heruntergeladene, neue Game ausprobieren. Das sind nur einige davon. Und dann passiert’s. Meistens im unpassendsten Moment. Eigentlich passt der Moment ja nie. Der Akku des treuen Freund ist leer. Scheinbar abgeschnitten von der Umwelt macht dem ersten Frust bald die Erkenntnis Platz, dass man es schlicht versäumt hat, den ständigen Begleiter vor dem Weg zur Arbeit, in den Ausgang oder ins Fitnesscenter noch einmal richtig aufzuladen. Für diese Situation, die beinahe jeder schon einmal erlebt hat, weiss Andreas Brändle eine Lösung. 2013 gründete er mit einigen Kollegen die Battere AG. Das Start-Up aus Zürich verleiht seit letztem Dezember an rund 1000 Standorten in der Schweiz Zusatzakkus für Smartphones. Geladen werden sie mit Solarstrom.

Vom Wegwerfprinzip zum Ausleihgedanken

Gemäss der INOBAT, der vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) beauftragten Interessensgemeinschaft mit dem Zweck der Erhebung und Verwaltung der vorgezogenen Entsorgungsgebühr (VEG) von Batterien wurden 2015 4040 Tonnen Batterien schweizweit verkauft. Diese Zahl ist seit Jahren relativ konstant. Ähnlich verhält es sich mit der Rücklaufquote der verkauften Batterien. Seit 2011 bewegt sie sich jährlich zwischen 67% und 70%. Leistungsstärkere Batterien und Akkus, sowie der tendenziell abnehmende Energiebedarf bei neuen Geräten dürfte der Grund dafür sein, dass die vom BAFU angestrebte Rücklaufquote von 80% auch in den kommenden Jahren wohl nicht erreicht wird. Trotzdem gehören wir punkto Recycling und Sammeln von Batterien zu den Spitzenreitern in Europa. Die konstant hohen Verkaufszahlen und Rücklaufquoten von Batterien und Akkus in der Schweiz in den vergangenen Jahren zeigen aber auch noch einen anderen Aspekt der Thematik auf. Batterien werden heute nach wie vor als Wegwerfprodukte angesehen. Das ist schade, ökologisch unsinnig und müsste auch nicht sein. Dieser Meinung waren auch Andreas Brändle, Mirko Hoffmann, Simon Schwarzenbach und Can Olcer als sie vor einigen Jahren eines Abends bei einem Bier zusammen sassen. Daraus entwickelte sich eine Geschäftsidee. «Batterien sind etwas Wertvolles und es macht Sinn, dass sie auch optimal ausgelastet, sprich möglichst oft wieder aufgeladen werden. Unser Ansatz dabei ist es, sie den Leuten dann zur Verfügung zu stellen, wenn sie gerade gebraucht werden. Und wenn nicht, dass dann jemand anders Zugang zu ihnen hat.» Diese Idee des «Batterie-Sharings» trifft den Geist der Zeit. Vor allem gerade auch im Bereich der Mobiltelefonie. «Das Smartphone übernimmt in unserem Leben eine immer zentralere Rolle und künftig wird das noch mehr der Fall sein. Ohne es auszukommen ist heute in vielen Bereichen kaum mehr denkbar. Oft sind wir darauf angewiesen und noch öfters auch daran gewöhnt, dass es immer läuft.» Gerade in Kombination mit einer anderen Konstante der heutigen Zeit, der stetig ansteigenden Mobilität, kommt der Idee des „Batterie-Sharings“ im Bereich der Mobiltelefonie eine besondere Bedeutung zu. «Wenn man unterwegs ist, der Handyakku leer ist und man kein Ladegerät dabeihat, können wir eine Lösung dafür anbieten.» Schmunzelnd meint Brändle in diesem Zusammenhang: «Immer wieder bekommen wir Rückmeldungen von Kunden, dass wir ihnen mit unseren Power-Banks quasi das Leben gerettet haben.» Der Idee des «Batterie-Sharings» beim Smartphone ging zunächst jedoch eine andere vorweg, die sich für diese als wegweisend für dieselbe herausstellen sollte. In der Anfangszeit der Battere AG stand der Verleih von handelsüblichen Geräteakkus (AA und AAA-Batterien) für Unternehmen im Fokus des Zürcher Start-Ups.

 «Batterien sind etwas Wertvolles und es macht Sinn, dass sie auch optimal ausgelastet, sprich möglichst oft wieder aufgeladen werden», Andreas Brändle, Battere AG

Entwicklung der Battere AG

Gegründet wurde die Battere AG 2013. Heute hat sie 10 Mitarbeiter. «Unser Gedanke war es wieder aufladbare Batterien möglichst gleich attraktiv und praktisch wie Wegwerfbatterien zu machen.» Anreize in Form von zusätzlichen Dienstleistungen mussten dafür geschaffen werden. „Uns schwebte hier der Gedanke eines Batteriekreislaufes vor.» So entstand das Konzept mit Solarstrom aufgeladene Batterien per Velokurier den jeweiligen Unternehmen zu liefern und diese auch wieder abzuholen. Dass dafür ein Bedürfnis existierte stelle sich schnell heraus. «Gerade grössere Unternehmen unterhalten oft Nachhaltigkeitsprogramme und Teams, die für ein umweltgerechtes Handeln im Unternehmen besorgt sind. Mit unserem relativ einfachen Angebot konnten wir ihnen einen messbaren Impact ohne grossen, eigenen Aufwand bieten.» Kunden wie die Swiss Re oder der Taschenhersteller Freitag machten in der Folge davon Gebrauch. Auch von dritter Seite wurde das Konzept für gut befunden, was dem Start-Up in der Folge eine Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Klimastiftung und 2014 den dritten Platz des Klimapreises der Zürich Versicherung einbrachte. Mit der Zeit entstand die Idee das Geschäftsmodell zu erweitern und auf den spezifischen Bereich der Mobiltelefonie abzustimmen. «Überzeugungsarbeit und Durchhaltewillen war dafür notwendig. Für viele Unternehmen und Kunden ist das Prinzip des Ausleihens heute nicht mehr gängig und musste neu entdeckt werden.» Mit der Aufnahme der Battere AG ins Start-Up-Programm der SBB und einer Vereinbarung mit der Kioskbetreiberin Valora im März 2015 waren dazu zentrale Schritte getan. In einem halbjährigen Pilotprojekt ab September des gleichen Jahres im Raum Zürich und Winterthur konnten die «Battere-Powerbanks» für Smartphones lanciert und auch erfolgreich getestet werden. Seit letztem Dezember sind sie schweizweit in allen Filialen der K-Kioske, des Avec und von Preston Books erhältlich. Bezüglich der konkreten Ausleihzahlen der Batteres in den letzten zwei Monaten gibt sich Brändle bedeckt. «Aber es ist sehr gut angelaufen und wir sind damit offenbar auf ein echtes Bedürfnis gestossen.»

Wie funktioniert‘s?

Rund 50‘000 «Batteres» sind momentan schweizweit im Umlauf. Zwischen 500 und 1000 Mal können die Lithium-Ionen-Akkus ohne Leistungsverlust wieder aufgeladen werden. Ihre Handhabung ist denkbar einfach. In allen Filialen der oben genannten Firmen kann gegen eine Gebühr von 4 Franken und ein Depot von 15 Franken einen Battere und das passende Ladekabel fürs Mobiltelefon ausgeliehen und retourniert werden. Die mit 5‘000 Milliamperestunden, aus Solarstrom geladenen Powerbanks reichen mehr als genug, um dem gerade nicht so treuen Begleiter neues Leben einzuhauchen. Und wer den Battere behalten möchte, lässt einfach das Depot verfallen und lädt ihn zu Hause für den Ernstfall selbst wieder auf. Dann freilich muss man auch daran denken. Andreas Brändle vergisst es oft und leiht sich seinen Battere aus. Ist einfacher. Mehr dazu unter www.battere.ch.

Remo Boretti